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Eingemummelt in der Komfortzone? Warum du selbst gesteckte Grenzen regelmäßig überprüfen solltest

Komfortzone

Wenn man etliche schlechte Erfahrungen in bestimmten Situationen gemacht hat, die Hochsensibilität oder psychische Erkrankungen wie z.b. eine Angsterkrankung immer wieder quer schießen, gehen viele Dinge einfach nicht mehr so locker flockig wie man es vielleicht als Kind noch erlebt hat. Die Komfortzone schrumpft. Immer mehr Situationen werden gemieden, weil die Befürchtungen „es wieder nicht durchzustehen“ einfach zu groß und zu laut geworden sind.
Doch regelmäßige check-ups dieser Grenzen lohnen sich. Denn vielleicht geht es ja doch (wieder)! 

 

Nichts ist für immer!
Ein Satz der uns durchaus auch traurig stimmen könnte. Aber in diesem Fall ist er unser Anker. Wir können uns daran festhalten. Wir können hoffen. Wir können selbst die blödesten, anstrengensten, furchtbarsten Momente aushalten mit der Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Und das wird es.
Auch eine Komfortzone muss nicht für immer die gleiche Größe, Form und Grenze haben. Wir entwickeln uns, wir lernen, wir leben. Wenn wir es zulassen, entwickelt sich unsere Komfortzone mit uns. 

Wenn aber alles außerhalb dieser Komfortzone schwierig bis absolut unmöglich ist, ist es doch nur verständlich, dass man da nicht raus will. Wozu? Um wieder zu spüren, wie schwach man ist, wie unfähig, wie krank, wie unnormal? Nee, also echt nicht.

In der Psychologie spricht man vom Vermeidungsverhalten. Das ist nicht gut, ganz und gar nicht gut. Aber es kostet unglaublich viel Kraft und Mut rauszugehen und Dinge zu tun, die einem Angst machen. Wirklich Angst. Oder Dinge, die einem so viel Kraft rauben, dass man eigentlich erstmal 2 Tage zum erholen braucht. Nur verständlich also, dass man es sich in seiner Komfortzone gemütlich macht. Denn hier ist alles gut.

 

Raus aus der Komfortzone – zumindest mal gucken

Ich möchte dich dazu ermutigen, trotzdem einen Blick oder sogar einen Schritt aus der Komfortzone zu wagen. Aus deinem sicheren Bereich. Immer mal wieder zu testen, ob die Situationen, die in deinem Kopf absolut undenkbar sind, wirklich noch so schlimm sind. 

Es ist gut, wenn du deinen „Fahrplan“ hast. Wenn du weißt, wo deine Belastungsgrenzen liegen. Wenn du gut für dich sorgst und weißt, was du dazu brauchst. Aber möglicherweise ist da noch mehr. Mehr in dir. Mehr Kraft, mehr Stärke, mehr Mut.

Du hast wahrscheinlich deine Grenzen gesteckt, als es dir schlecht ging. Emotional, körperlich und psychisch überfordert warst. Solche Erlebnisse brennen sich ganz schnell ein, denn sie sind unangenehm. Nein, sie sind furchtbar. Und man will sich einfach nie wieder so fühlen.
Die schnellste und vermeintlich sicherste Konsequenz ist dann Dinge, die dieses Gefühl auslösen, nicht mehr zu tun. Eben zu vermeiden. Und das ist natürlich auch durchaus sinnvoll. Wenn ein Kind einmal gespürt hat, dass es sehr weh tut, wenn man die Hand auf die Herdplatte legt, wird es das wohl (im Normalfall) nicht wieder tun.
Die Herdplatte ist aber auch eine tatsächliche Bedrohung.
Die Situationen in denen du Angst verspürst oder extremes Unbehagen sind in der Regel keine tatsächlichen Bedrohungen. Du empfindest sie nur als solche.

Die „negativen Seiten“ der Hochsensibilität zeigen sich auch besonders, wenn es uns eh gerade nicht gut geht. Wenn wir vielleicht eine schwierige Phase in unserer Beziehung durchleben, Belastung im Job, Trauerfall in der Familie oder auch durch eine körperliche Erkrankung geschwächt sind. Kein let´s fetz sonder eher lass mich in Ruhe also. Deine Komfortzone sollte dir Schutz und Halt geben, aber dich nicht ausgrenzen.

Andersrum ist es genauso: wenn du besser drauf bist, seelisch und psychisch gefestigt bist, kannst du sicher mehr aushalten und sogar genießen.

In einer Verhaltenstherapie lernt der wunderbare Mensch mit einer Angsterkrankung (wunderbar soll hier meine vollste Unterstützung ausdrücken) sich seiner Angst bzw. den angstbesetzten Situationen zu stellen und dabei zu lernen, dass er es aushalten kann. Dass die Angst weniger wird.
Doch auch wenn du nicht an einer Angsterkrankung leidest, die Komfortzone kennt doch bestimmt jeder. Aus den unterschiedlichsten Gründen hat man sich schön gemütlich eingekuschelt.
Täglich spaziert man an seinem Zaun entlang, immer auf der sicheren Seite. Da weiß man, was man hat und vor allem nicht hat: den ganzen mir-gehts-nicht-gut-firlefanz. Die Frage ist nur: was ist mit dem mir-gehts-so-richtig-gut-Gefühl?

Wenn das also alles so für dich passt, du ganz ehrlich glücklich damit bist, nicht mehr erwartest – fein.

Wenn du aber immer auf die andere Seite schielst mit dem Gedanken: man, da will ich auch mal wieder hin, ich will mich nicht immer einschränken: probiere es aus!!

 

Wie gehe ich das an?
• Schreibe dir eine Liste mit Dingen, die du gerne (mal wieder) machen     würdest, deine Ängste oder Überforderung das aber lange schon nicht mehr zugelassen haben 
• Was möchtest du ändern und warum?
• Was stört dich an deiner jetzigen Situation. Welche Gefühle hast du? Wut, Trauer, Akzeptanz?
• Wie stark ist dein Wunsch etwas zu ändern? Skala 1-10. Spätestens ab 6 solltest du es versuchen.
• Wie geht es dir gerade? Fühlst du dich kraftvoll?
• Mach dir bewusst, dass du einen Versuch startest. Schon allein das ist wunderbar! Gehe vom Positivsten aus. Verspreche dir selbst, dass es ok ist, wenn es nicht sofort problemlos klappt.
• Welche Bewältigungsstragegien hast du zur Verfügung? Kennst du eine Entspannungsübung die dir helfen könnte?

WICHTIG
Wenn es noch nicht klappt, dann steinige dich nicht. Sei stolz, dass du es versucht hast. Vielleicht bist du noch nicht soweit. Nicht du bist falsch, sondern einfach der Zeitpunkt. Keine Selbstkritik: Ich kann das einfach nicht, nie wieder. Toll, siehst du, hab ich doch gesagt ich kann das nicht. Bitte nicht! Du weißt nicht, welche Kraft du noch entwickelst. Hab Geduld und glaube an dich.
Stress dich nicht damit. Du musst gar nichts. Es ist deine Entscheidung. Gehe kleine Schritte und setzte dir kleine Ziele (erstmal).

 

Was hab ich davon?
Ich denke, wenn du es erlebt hast, wirst du es wissen! Wenn das Herz aufgeht, du vor Stolz platzen könntest, Glückstränen über deine Wangen tanzen und du die ganze Welt umarmen könntest!
Aber dennoch:
Du lernst dich selbst (wieder) besser kennen
Du nutzt die Gelegenheit mal wieder richtig stolz auf dich zu sein
Du gewinnst Selbstvertrauen und Selbstsicherheit
Du baust deine Ängste ab
Du öffnest deine Grenzen (brauchst du sie eigentlich noch?) Du kannst raus, das Schöne kann rein
Persönliche Entwicklung
und …. mehr vom Leben

 

Ich wünsche dir nen Koffer voll Mut und Kraft! Erzähl mir gerne in den Kommentaren von deinen Erfahrungen. Wir können alle voneinander lernen, uns stützen und füreinander freuen.

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1 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Artikel. Verhaltenstherapie kann einem neue Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Allerdings muss man sich natürlich immer auf die Therapie einlassen und den Methoden eine Chance geben.

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